Was ich will

über Was ich will

ENTREE (Randdaten zum Buch-Vorhaben):

Der Roman – das soll erwähnt sein – entstand im Zeitraum von zwei Jahren als „iPad-Roman“ – geschrieben also dieser gänzlich, durch das Tippen mit einem Finger auf oder in dieses Medium. Da er es folglich immer dabei hatte, konnte der Autor unmittelbare Emotionen und Regungen einfangen – und im Text (genauso unmittelbar) einfließen lassen – die bei den Ur-Momenten seiner Begegnungen mit Menschen und Dingen, fühlbar, in seinem Gemüt, hochstiegen beziehungsweise niedersanken. Dieser Zustand des Unmittelbaren ist Boden und Nahrung für seine auf diese Weise entstandene eigenwillige/eigensinnige Sprache, auch in Rhythmus und Ton.

„GRANATAPFEL_©-(copyright)-INNENLEBEN“

Genre: Werdung-Roman

Geplanter Umfang: ca. 250 Normseiten

Zustand: Manuskript grundsätzlich fertig – wird gerade lektoriert.

Geplante Fertigstellung: September dieses Jahres 2019

Ivo Rossi Sief (Ivo R Sief-Røten) (Curriculum Vitae: https://de.wikipedia.org/wiki/Ivo_Rossi_Sief) – am 21.06.2019

INHALTSANGABE / EXPOSÉ:

Im Roman lässt der Autor seinen Protagonisten, „der“ wohl seine Anima darstellt (diese als „Figur“ so gewählt, als stehe sie sinnbildlich für jeden von uns in der Raum-Welt) von Geburt an Menschen und Dinge begegnen, Konfrontationen erfahren, somit Situationen meistern, oder auch nicht. Der Autor beschreibt/umschreibt aus der Optik der seelischen Ebene also alles, was auf dieser Welt eine “Werdung“ ergibt, eine solche ausmacht. Für jeden von uns, jeweils.

Im Roman geht es (über ganz persönliche Erfahrungen empfunden), um das, was an allen Wällen unerträglich ist.

Es geht auch und vor allem um das Weggehen und um das Ankommen, um ein Heimatfinden und das Heimischwerden, um ein Nachdenken über Heimat, weil es – immer – um (ein) Herkommen geht.

Es geht also auch, nein primär, um Akzeptanz, also um das Recht auf Eigenwilligkeit und Eigensinn, letztendlich das Recht auf Individualität.

Es geht somit um Existenz … und um Behausbarkeit.

Heimat … ist dort, wo man Warmherzigkeit findet – und dieser auch begegnet.

In „Granatapfel“ schreibt der Autor – sehr wohl auch – über Hetze und das gehetzt werden. Das, so wie er es sieht, gilt für viele, wenn nicht für (fast) alle – und ist fast unerträglich geworden, in dieser Zeit.

Auch das will er in diesem Buch beschreiben. In Form und Tempo.

Der Protagonist – hier im Roman – sagt, dass ein Zustand von Vergnügung sich nur empfinden und also beschreiben lässt, wenn das Gefühl nicht mehr da ist, beherrscht zu werden. Diese Aussage wird mit Formen und farbigsten Nuancierungen ausgelotet.

Dann legen sich wieder Grautöne bis hin zu tiefstem Schwarz wie eine Folie über die Farbfluten. Weil diese als Mittel, wie in einer jeweiligen „Kommunikation vorher“, nicht mehr ausreichen.

Die Bild-Sprachsyntax wird immer wieder um mehrere Ebenen erweitert.

Einen existentiellen Lyrismus, in etwa nach der Kunstauffassung Jean Cocteaus, lässt der Autor seinen Protagonisten ausleben. Wenn er etwas fröhliche Leichtigkeit findet, ist diese Ausdruck einer Identifikation mit jener Philosophie Jean Cocteaus, die besagte, dass es in der Kunst „keine andere Ebene gibt, als die der Liebe“.

Sozialkritisch sind alle die Bilder-in-Sprache im Roman als Spiegelbilder einer inneren Erregtheit zu Verstehen.

Als Signale der Hoffnung, vor dem düsteren Hintergrund einer zunehmenden seelischen Vereinsamung und Verarmung.

Der Autor will Wirkungen erzielen, die betroffen machen wollen. Entscheidend ist, dass die gefühlsmäßige Erregung auf den Leser übergeht, diese ihn emotional berührt – die Zartheit, das filigrane Nebeneinander und die Ineinander-Verschachtelung.

Es geschieht alles in einer ganz persönlichen Stimmung; mit dem Gefühl, der Protagonist würde sich austoben. Im Situationen-Komplex vielschichtig, kontrastreich, gestisch – subtil strukturierend.

Die Kommunikation misst sich an der Erfahrungswirklichkeit und reift somit daran.

Der Schwerpunkt liegt nicht unbedingt im Autobiografischen: Die Molltöne wollen (ähnlich wie bei den Tieren mit ihrem Revier) das Erreichen eines höheren Reflexionsniveaus markieren. Den Leser aber daran teilhaben lassen.

Der Inhalt will zu einem Diskurs über das menschliche Sein auffordern. Dies balancierend auf den unwegsamen Klippen der zwischenmenschlichen Beziehungen und der letzten, letztendlichen, großen Fragen. Diese tastende Annäherung an die Sinnfrage beherrscht den Faden dieses „Werdung-Romans“.

Nie verleugnete der Autor aber zwischendurch aufblitzende Selbstironie und Heiterkeit.

„Das Schicksal ist blind“, sagt der Autor. Das mag stimmen, aber die Geschichte, die es schreibt und die Lebensfurchen, die es hinterlässt, wurden mit möglichst großer Sensibilität und untrüglichem Sinn für Komposition und das Wesentliche hier zu erzählen versucht. Als materielle Zeichen der Freiheit der Gedanken – zarte Sprachfehler/Sprachfelder aus einem weißen Blatt entworfen.

Ein Tagebuch im Großformat – um vom Elfenbeinturm des Autor-Künstlers auszubrechen: Um sich einzumischen, um der Realität ins Auge zu sehen.

Ein schreiben, voller Energie und so, als ob der Autor (der Protagonist) des alleinigen Gebrauchs der Sprache überdrüssig wäre, mit Zorn und Freude und seiner Meinung von der Seele. Wort und Schrift sind in der Intention nur das Bild dahinter.

In dieses Schriftfeld projiziert er – und beide also – bis zur Unkenntlichkeit zerlegte Emotionen. Als seien es – für wahr – nach außen gefallene Träume. Eine Landkarte, die eigene, die das Geschriebene überlappt.

Der Autor lässt ästhetische Gebilde zart, sensibel, kaum aufdringlich, immer poetisch entstehen. Ab und zu wirkten manche Visionen bizarr; sie lösen sich auf, und zerfallen.

Was sonst.

Manchmal.

Er verdichtet die Seelen-Lebens-Situationen oft, um sie, je weiter sie sich vom Zentrum (des Geschehens) entfernen, in einem diffusen Nebelschleier verschwinden zu lassen.

Und es gibt auch schwarze Striche (wie Spuren von Elementarteilchen auf einem Bildschirm) in seinen Sätzen.

Der Autor geht – das als Konstante – „ganz eigene Wege“; so sagte man – er tut Gratwanderungen zwischen Innen- und Außenwelt.

Er hält schöne Visionen, Träume, auch Zufälle und Graues im Leben fest.

Da-und-dort nichts als Realität.

Es ist sein Versuch, den Spannungen dabei Herr zu werden, Gegensätze auszugleichen – ein Versuch, Reflexion und sein Ursprüngliches miteinander zu verbinden.

Um vielleicht so (oder nur so, auf diese Weise) seiner Vision von Freiheit näher zu kommen.

Es ist kein leichtes Unterfangen – alles.

Denn sich vorstellen oder sehen, das ist das eigentliche Dilemma.

Dem Protagonisten hatte das alles viel gelehrt – und auch mit gesteigertem Wissen Selbstzweifel aufkommen lassen.

Er fand/findet immer neue Lösungen, absolute Ehrlichkeit ist ihm ein bedeutsames Anliegen.

Er will in der Befreiung von Vielem aus althergebrachten Begriffsbezügen tiefschürfende Gedanken um die lebendige Philosophie darlegen.

Und wo es nur geht baut er die Psyche – die Seele – in seine Aussagen mit ein. Dringt durch differenzierteste Hintergründe in tiefe Seelensphären.

Seine.

Es geht bei diesem Abenteuer „Granatapfel – Werdung Roman“ um die Erscheinung, auch um die Ausstrahlung, um den ersten Augenblick, die ersten Momente von Begegnungen, den stimmigen ersten Eindruck, den Urzustand der Begegnungen, wo noch kein Wort gefallen und doch schon alles gesagt ist. In diesem Zustand länger zu verweilen ist die Absicht der künstlerischen Geste.

Die Absicht auch einen Moment tiefen Menschseins, intensiver Menschlichkeit zu erhaschen.

Gelangweilt hat sich der Autor – offensichtlich – nie und hatte auch nie Angst vor dem Himmel. Und der Protagonist hatte sich ständig, ja ständig, ein „Mach dir keine Sorgen, du kannst es schaffen“ zu verpassen.

Manchmal lächelt er auch und manchmal leuchteten seine Augen voll Emotion.

Ich spreche (lässt der Autor letztendlich im Roman sich selber sagen) über mich; dann sollte ich ja besonders leidenschaftlich sein.

Wie soll ich mich normal kommentieren?…, das wäre doch ein bizarrer Spaß.

Prinzipiell fand ich nichts Ungewöhnliches in und an mir.

Mein Gesicht war und ist mein bestes Medium.

Es ist nicht alles, was ich mir vorgestellt hatte. Das ist nicht schlimm, das tut nicht weh. Es kann ja kommende Nacht passieren. Das, was ich mir vorstelle.

Jedes Objekt einer Vorstellung kann aus dem Bild springen, es geht – dann – nur um das Beherrschen.

Das Auge ist oft im Wege – man überlege: Selbst wenn man sich küsst, neigt man dazu, den Kopf auf die Seite zu kippen. Vielleicht aber das,

um hinter den Kuss zu sehen….

(Ende)

ich ..... reith

©Innenleben


https://de.wikipedia.org/wiki/Ivo_Rossi_Sief

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(mit meiner Hommage an Friedrich Achleitner und Gustav Peichl die meine Professoren waren)

Es geht im „REINHARD_©-(copyright)-INNENLEBEN“-Werdung-Romanum um das, was an allen Wällen und Viren unerträglich ist; dies, über ganz persönliche Erfahrungen empfunden. Es geht auch um das Weggehen und vor allem um das Kommen (und Ankommen), um ein Heimatfinden und das Heimischwerden – um ein Nachdenken über Heimat, weil es (immer!) um (ein) Herkommen geht. Es geht also auch, nein primär, um Akzeptanz, also um das Recht auf Eigenwilligkeit und Eigensinn, letztendlich das Recht auf Individualität. Es geht somit um Existenz … und um Behausbarkeit. – In meinem Buch schreibe ich – sehr wohl auch – über Hetze und das Gehetztwerden. Das, so wie ich es sehe, gilt für viele, wenn nicht für (fast) alle – und ist fast unerträglich geworden, in dieser Zeit. Auch dieses will in diesem Buch beschrieben werden. In Form und Tempo.

Heimat … ist dort, wo man Warmherzigkeit findet – dieser auch begegnet.
Ivo Rossi Sief, am 07.11.2020

ENTREE:

Erstens, ich weiß nicht so recht, was anders war, was ich bei dieser Show besonders finden sollte, beziehungsweise wollte.

Zweitens, die Leute denken sich, der Mensch sei ehrlich.

Wäre Reinhard denn nicht so inakzeptabel breit geworden, hätte er sich also nicht so inakzeptabel breit gemacht, würde er die Fallselbstkritik so lesenswert profitabel definieren, dass vieles seines Selbsts ab jetzt, ab diesem Punkt eben, demütig vor allem, ja, aber vorwiegend, also grundsätzlich, total liebenswert und nett im Biss erscheint.

Was ist von Reinhard  jedoch viel, so viel also, dass auch Kritiker auf weiteres Tun dieses Teiles von ihm, der sich nicht so dumm und ohne Kontrolle über sich selbst geben will wie der Rest seines beeinflussten Wesens (so – und beeinflusst eben – gestaltet sich ja der Schutz jeder integrierten Spezies) angenehm einverstanden reagieren könnten.

Meine Augenwinkel nehmen, auch gerade, einen orangefarbenen Punkt seitlich von mir wahr.

Signal für jetzt – aber bitte – gleich Stopp! …?: Nein, es ist das Ich-habe-jetzt-fertig-Lichtlein der Spülmaschine.

In letzter Zeit, hätte Ich keine Schwierigkeiten beim Einschlafen.

Zea (dieser ist mein Kosenamen für Therese) dreht sich an ihrem Schminktischchen sitzend um und sagt: Was denn …?, wenn man richtig glücklich ist?

Nun, ich stehe, bei dieser Gelegenheit Buch schreibend, im Gegenzug etwas aufmüpfig da – während du so mit mir redest, denke ich gerade.

Und lockere sofort meine inneren Zügel – und denke, dass Bewegung (es spielt aus dem Musikplayer gerade eine Sonate) in meinem Inneren, somit in meiner Seele, nur durch eine Verbindung mit dem Reichtum der Beziehungen, die aus gemeinsamen Reflexionen und Gemeinsamkeiten bestehen, entstehen kann.

Interessen und Nöte der Welt? – Na gut, aber die sind zwangsläufig wie auch-und-eben die nackte Haut beim Menschen: Man schafft die Reproduktion der Not nur zu ändern, wenn man vor den allerersten Anfängen dieser es schaffen könnte, sich ihr zu, sie gestellt zu haben. Da eben, und bevor sie zu einem Element der, besser gesagt einer, gewissen feudalen menschlichen Kultur wurde; und nein, es geht dabei nicht – und ging nie – um haarige Affen. Oder vielleicht doch? Alles …  ist immer verschieden(st)e Sachen

Bewegung. Entsteht diese in mir aus dem Farbenspiel der Natur? von einem Ruf, der von einer-deiner? angenehmen Stimmen kommt? oder von einem – gelungenen, von mir gemalten – Bild? von hinter der Oberfläche, Oberflächlichkeit der Interessen?

Ergreifende Blicke eines Hundes?: Nein, so was war nie meins, aber sehr wohl ist meine Sache die Tragödie (Tragödie als Form des Dramas wie Komödie).

Ich habe mir – jetzt – aber neue Kleider zugelegt.

Drittens, ich Schreiber sehe, ich schlampe gerade.

Erzähle ich jetzt weiter von Reinhard, dann schreibe ich hier nicht über einen, der auf der Welt viel erreichte, der große Dinge oder Herausragendes vollbrachte, sondern will von einem Menschen erzählen, der den größten Teil seines Lebens um Akzeptanz und Anerkennung ringen musste.

(…)

Vienna blue

Viele Menschen handeln erst nach gesammelten Erfahrungen, Reinhard nicht. Damals, und auch heute nicht; da braucht’s keine Prognose mehr. Reinhard hatte damals nicht – absolut nicht – die Fähigkeit, etwas einzuschätzen, auch das nicht, was er gehört hatte. Realität, Erwartung, Lücken dazwischen und Fehler: alles Dinge eines noch Fremdbestimmten.

Was stimmte ihn zuversichtlich – stimmte ihn das etwas überhaupt? –, sodass er Vertrauen an das, was er – da in W. – tat, hätte gewinnen können? Nichts spricht von einem Beweis, es hätte auch wieder (nur) eine kurze Geschichte werden können.

Fallstudien beim Werdegang? Um diese Sache herum muss man alles selber erfinden, vertrauend, als Lebensproband, auf etwas Vorstellungsvermögen, das Schritt für Schritt Themen des Lebens zu schreiben ermöglicht. Beziehungen – auch zu den Menschen knüpfen. Subjekte – Karikaturen – Darstellungen … immer wieder Probleme erfahren, die dann lösen. Um zu etwas Wissen zu gelangen. Wenn dies dann auf diese Weise nicht geht, über Wissen zumindest was lesen, zumindest irgendwelche Artikel darüber.

Wo ist nun aber der Unterschied in allem und zu allem, was bisher in Reinhards Leben gewesen?

Spezielle Themen groß werden zu lassen, lag ihm noch fern. Von Schlagzeilen und Artikeln über sich und sein Tun träumte er (noch) nicht, beides hatte auch mit dem, was unmittelbar bevorstand, nichts zu tun, nichts war auch nur mit einem Hauch von solchen Ansprüchen konfrontiert. Das Einzige, was Reinhard höchstens sich vorzustellen erlaubt hätte, war eine etwas glänzendere Lebenszeit, eingebaut diese in einen etwas höheren ökonomischen Rang.

Juwelen, Schmuck und üppige Luxusfedern, Überselbstbewusstsein, als Träger seiner Wichtigkeit, wie Attribute der Persönlichkeit, diese extrem betonend, waren auch nichts für Reinhard – weil er sie damals (Reinhard war, wie sehr viele, damals so drauf) für in Säcken abgefüllte Asche hielt.

Fragen, die Reinhard und sein „wahres Ich“ betrafen, beharrten auf keinen Antworten. Aber auch nur so lange das, bis der Grund, der extreme, überprüft werden konnte, warum Reinhard – als soziale Auswirkung seiner vorhergehenden Art zu sein – sich hier jetzt in einem leeren Seelenraum befand.

Über sich selbst nachdenkend verspürte Reinhard zunehmende Bedeutungslosigkeit. Und fürchtete, dass diese von der Gesellschaft um ihn herum wahrgenommen würde. Reinhards Seelenurerlebnis war es also, dass er sich selbst, das erste Mal – und hier in W. – hie und da als Individuum grau und unbedeutend fand.

In diesen Momenten litt Reinhard ernstlich – aber dies war nicht genug, denn er hatte, zudem, auch niemanden im Grunde als Vorbild, der ihm den Wunsch vermittelte, wie er wirklich sein sollte.

Es ist der Sinn des Selbst anscheinend, selbst drauf zu kommen.

Reinhard war ein Proband in einer noch für ihn unverständlichen Umgebung und Welt, der Beziehung, eine möglichst jetzt positive, zwischen allem und den Menschen übte, und hatte, das ja stark, Interesse an neuen Informationen. Themen und Informationen waren ab da jetzt doch wichtig; Reinhard musste sie nicht wählen, sie kamen in Fülle auf ihn zu.

Reinhard war, auf der Akademie und im Leben, ein Teilnehmer, der nun Unwissenheit, infolge der Veränderung, durch Kontrolle ersetzen wollte. Diese bittend, sein Leben – das bis hierher eher verstümmelt – frei von Fahne und Zugehörigkeit, in Freiheit also, die Schritte tun zu lassen, die er dann nicht mehr stornieren hätte wollen.

Reinhards Lebenssymbol schien sich mit einem Für-immer-und-immer-Hauptmerkmal schmücken zu wollen, das, als Verbindung zwischen der gewesenen Bedeutungslosigkeit und Kompensation und der jetzigen Einkerbung und Prägung, nicht mehr entfernt werden sollte.

Reinhard war ein durch Zufall Rekrutierter, der im Unklaren darüber, durch welchen Schmerz vorher gestochen, jetzt mit einer drastischen Kette an neuen Bildern, neuem Habitus und Lebensstil und viel Mobilität immer schärfer die Notwendigkeit, innen groß zu werden, spürte.

Ein neues Zuhause, eine neue Gesellschaft um sich herum, einen vermeintlich jetzt sicheren Platz, sinngeladene Beschäftigung, die Zugehörigkeit, wie in einer großen Familie, zu einer einschlägigen Gemeinschaft, versprachen Identitätserlangung. Der Verlust seiner alten Identität, so stellte es sich heraus, würde Reinhard auf modernere Formen des „Jetzt geht’s (mit Kohärenz und einem Hauch von erreichter Sicherheit) unter die Haut“ einstimmen können. Ein Haus, fürs Erste nun frei von Identität, war jetzt mehr ein neuer Körper für Reinhard als ein Haus.

Etwas war hier in W. bereits verinnerlicht, fast wie neue Muttermilch, die direkt in diesen seinen neuen Körper griff, und das eben „unter die Haut“ gehend. Ja, Reinhard war bereit, sich zu ändern, dies dauerhaft und endgültig.

Die Frage war: Wie dies nun mit Sicherheit schaffen, die Veränderung als nun dauerhaftes Element seiner (neuen) Persönlichkeit? Die jetzt, jetzt möglichst unauslöschlich, den neuen Gefühlen des Ausdrucks Reinhards Identität zugeordnet war, damit sie ihren eindeutigen Ausdruck fand. Gefühle, die heute, wo ich hier über Reinhard schreibe, auch immer noch die gleichen in ihm sind.

Erfindend also eine Trennwand zwischen einer dünnen Scheu und der momentanen Realität, promovierte und bewarb Reinhard sich jeden Tag in W. (manchmal fiel Regen) zwischen Tür und Innenraum, verständnislos blickend auf seine Gedanken und auf das, was er tun sollte – und jeden Tag ging er auch der Aufforderung nach, diesem Tun einen weltgültigen Sinn zu verleihen.

Er war, was er dachte. Und sein Tun war gefärbt mit der Farbe der Gefühle, die Reinhard in dieses Denken steckte.

Man ist so oder so, dachte Reinhard – und auch, wie man es schafft zu lieben. Verdacht ist da immer die Folge. Ein unkontrollierter Gedanke dieser, während Reinhard im Geiste mit sich selbst redete: „Du fehlst.“ Und Reinhard erstarrte dann immer sofort in der Pose des Dich-Suchens. In der Nähe oder im Briefkasten – den Schlüssel suchend.

Reinhard eilte an anstehende Projekte mit dem geronnenen Lächeln der Sehnsucht. Er las kaum Zeitungen. Die Atmosphäre fand er in dieser Zeit auf einmal auch kaum grimmig, nicht gedrängt, nicht prahlerisch oder so, sie war dann wieder doch ganz einfach still. Und Reinhard fixierte sein Gegenüber, still auch dieses. Da jede Antwort also ausblieb, war es so, wie Gleichgültigkeit zu sein hat: In – eben – keine Verantwortung gedrängt.

Tief melancholisch gestimmt kam da eine Stimme in Reinhard auf, die sprach: „Du hast einen Auftrag, also einen Vertrag; verfange dich nicht (wieder) im Nichts.“ Eine Stimme wie von fern.

Und aber also Liebe? Arbeit und Liebe und Auftrag – ein Liebesauftrag also, als Auftrag auch zu lieben? – sagte Reinhard sich – gehören die alle zusammen? Und dazu? Ein lieber Auftrag, ein Liebesvertrag? – Mit wem? Mit dem Gewissen? Er suchte oft wirr Begriffe, um vieles zu begreifen.

Leben in Missbehagen schreit immer nach erster Hilfe. Die Sehnsucht nach Liebe war bei Reinhard aber konkret; eingebaut diese im Versuch, sich selbst zu ertragen. Komplexe Fragestellungen suchten jetzt ihren Platz. Dabei beschäftigten Reinhard Rechnungen – damals – noch nicht. Reinhard schaute sich selbst im Spiegel tief in die Augen: Andere gehen aus, warum er nicht? Amüsieren sich – und Reinhard hier – nur mehr Themen!? So was zu denken ist albern, denn auch ganz profane Dinge wollen Appelle aussenden. Nicht nur Heinrich Böll schreit nach Achtung und Würde.

Gehorsam also in den Momenten des Lebens, hieße das dann im Sinn tief erfülltere Tätigkeiten? Und was war dieses Reinhards Wirken bisher also … – aus Gewissensbissen? Über seine Hoffnung auf Stipendium und über Neid sich ärgern? Hier! ruft zwischen den Zehen und den Ohren der Umgang mit der Gelassenheit oder Zufriedenheit.

In solchen Gedanken versunken beobachtete Reinhard einen Stieglitz, der da draußen sprang, auf der Brüstung des Balkons. Mit solch symbolischer Eigenschaft merkte er Unterschiede nicht und mit Siedlungsgrenzen hatte er offensichtlich nie etwas zu tun. Abschnitte von Sehenswürdigem muss man in der Regel bezahlen, dieser war kostenlos.

Als hätte Reinhard die Leinwand als ein Segel hochgezogen, um ein Zurück-zur-Natur oder ein Eigentumsgrundstück in der Montaigneforschung anzusteuern, fingen seine Lippen an, die „Grundlagen der Ungleichheit unter Menschen“ vor Augen, ein wenig zu zittern.

Denkend an einen Schub von verdrehter Possessivität. Und weil das Eine formuliert, existierte dieses Zittern auch beim Lesen des Essays „Grundlagen der Gleichheit unter denselben“.

Geklebt diese beiden mit Tesafilm, als Vorlagen für ein Manifest, auf eine Wand der Passage zum Karlsplatz. Ein Tun dieses, das keinerlei Vernunft entsprach – sagten die Leute – und von aktuell ernster Arbeit ablenke. Spießgesellen, überall.

Aber das Unterbringen der höheren Welt, die des gehobenen Geistes, hat nichts mit Koalitionsklima und Bundesregierungen zu tun. Und Fußball – liebe Leute – spielt da gar keine Rolle. Die Thematik der örtlichen Kindergärten fasst die Lage zum Wohle der künftigen Generationen so zusammen, dass auch Firmenbeteiligungen aktiviert werden sollten. Reinhard … hatte zweifelsohne in W. angefangen, sich für soziale Angelegenheiten zu engagieren.

Warum erzähle ich jetzt so einen Quatsch? Es war Mittagszeit, gleich hatte Reinhard etwas anderes vor; und Politik ist kein Rezept – also Wahrnehmungsfonds und Verschuldungen a dopo.

Transgressive Deutung beziehungsweise Haltung diese? Honig im Wein? Echter durchsichtiger, wirrer, noch etwas blasser Jazz in einer Bucht der Sirenen? Und nein, in diesem seltsam gefärbten Moment hörte ich keine „fremden Stimmen“. Ob man beim Briefeschreiben (oder Texte formulieren) einigermaßen zu seinem Gleichgewicht findet?

Impulsiv nahm Reinhard dann jedenfalls (was war denn damals  für ein Grübeltag) das Sitzkissen vom Stuhl, weil er – um auf etwas anderes zu kommen – in aller Offenheit etwas aussprechen wollte, das nichts mit Wohnung und Essen oder mit der Psychose um die Sozialleistungen und Politik zu tun hatte.

Und Wattebäusche spielten dabei keine Rolle. Die konnten auch nicht den Schnee ersetzen, der an diesem einen Winter fast gänzlich fehlte. Auch dass es, so gesehen, bald zum Jahreswechsel kommen würde, gehörte nicht zu dem, was auf Reinhards Merkzettel stand.

Die „Anhänger“ waren es, denen Reinhard Stimme verleihen wollte. Da er ein paar Tage zuvor ging, um sich auf die Waage zu stellen. Hatte Reinhard denn vorher gebetet? Wenn ja, wurde nichts erfüllt, was ihm den entsetzlichen Gedanken erträglicher hätte machen können, dass er nicht mehr im Apfelstrudel, sondern im Strudel aller Unsicherheiten versinken musste, weil seine Leistungsfähigkeit auf null stand.

War in dieser Winterstimmungszeit Reinhards Sicherheit in allen Lebenslagen auch plötzlich (wieder) ins Wanken geraten? Braucht es denn übrigens eine solche? Versuchte Reinhard sein Dilemma zu umgehen. Aufgeweckte Zweifler stiegen hoch.

Bekenntnisse über eine Leistungsbeschleunigung, die alles effizienter erscheinen hätten lassen, waren da in diesem Moment, fand Reinhard damals, wie Pommes frites ohne die passende Sauce.

Binnen Sekunden wurde schier alles zum intellektuellen Qualm. Und das Übergewicht würde mit dem Weglassen der zu vielen W.er Germknödel auch nur mehr ein Thema sein wie das Feuermachen bei den Pfadfindern. Verbrennen also, bis im Kamin das Feuer der angezündeten Späne ausgeht.

Die Frage, die sich in Reinhard blitzartig aufdrängte, war, ob er ein Wesen mit Selbstkontakt wäre, folglich ein Mensch des „Selfcontrolls“? Hörte Reinhard (jetzt) effektiv auf sich selbst? Und was bedeutet das?

Binnen Bruchteilen einer Sekunde war noch eine Menge mehr Qualm da: Stadtwohnung, Umstände, Entscheidungen, Strände, Vorstellungen, Wünsche – Pläne … Familie – und alles, was Reinhard so durch den Kopf ging, weil er all das zu berücksichtigen hätte. Eine neue Ordnung also? Die den brennenden Berg zum Trocknen bringt? Hierarchische Struktur und Abgeschottetheit?

Reinhard lenkte sich ab. Die Meinung – einfach so – hochzüchtend, dass Splittergruppen nur deshalb auffallen, weil es Vereinigungen in der Schattenwirtschaft gibt. Was hatte aber Reinhard davon gehabt, wenn parteiübergreifende Geschäfte Korruption benötigen, damit was weitergeht? Banden – Mafia – Capitale und die Weltsachen sind erledigt.

Jahr für Jahr.

Und überall.

(in progress…)

am 07.11.2020

Ivo Rossi Sief